Heidnische Hochzeit: Rituale, Ablauf und Ideen für eure freie Trauung

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Ihr wünscht euch eine Hochzeit mit Jahreskreis, Räucherwerk und alten Bräuchen statt Standardprogramm? Dann ist eine heidnische Hochzeit als freie Trauung genau euer Ding. In diesem Ratgeber erkläre ich euch, welche heidnischen Rituale gut funktionieren und warum es dafür kein Regelbuch gibt. Als Beispiel begleitet uns die Wicca-Hochzeit von Leonie und Mirco, die ich auf Burg Grimburg gestalten durfte.

Was ist eine heidnische Hochzeit?

Eine heidnische Hochzeit ist eine Trauzeremonie mit Ritualen aus vorchristlichen oder neuheidnischen Traditionen. Im Mittelpunkt stehen meistens die Natur, der Jahreskreis und die fühf Elemente Luft, Feuer, Wasser, Erde und Äther. Typische Rituale sind ein Schutzkreis, Räucherungen, das Handfasting oder ein Spell Jar.

Rechtlich gültig ist in Deutschland nur die Ehe vor dem Standesamt. Eine heidnische Hochzeit feiert ihr deshalb als freie Trauung: am selben Tag wie das Standesamt, ein paar Tage später oder sogar Jahre danach. Leonie und Mirco haben ihre zum Beispiel zur hölzernen Hochzeit gefeiert, fünf Jahre nach dem Standesamt.

Heidnisch, Wicca, keltisch: Was ist was?

„Heidnisch“ oder „pagan“ ist ein Oberbegriff. Darunter fallen ganz unterschiedliche naturverbundene Glaubensrichtungen und Praktiken.

Wicca ist eine davon. Es ist eine moderne neopagane Religion, die Mitte des 20. Jahrhunderts in England entstanden ist. Wicca arbeitet mit den Elementen, den Himmelsrichtungen, dem Jahreskreis mit seinen acht Festen und mit bewusst gesetzten Intentionen.

Keltisch inspirierte Hochzeiten greifen Bräuche auf, die man mit der keltischen Kultur verbindet, allen voran das Handfasting.

Daneben gibt es weitere heidnische Richtungen, zum Beispiel germanisch geprägte. Und viele Paare nehmen sich aus verschiedenen Traditionen genau das, was sich für sie richtig anfühlt. Das ist völlig in Ordnung.

Warum es für heidnische Trauungen kein Regelbuch gibt

Beim Standesamt ist alles klar geregelt. Es gibt ein Gesetz, eine feste Formel, und am Ende braucht es zwei Unterschriften. Bei einer heidnischen Trauung gibt es nichts davon. Niemand legt zentral fest, wie ein Schutzkreis gezogen wird oder welche Worte bei der Anrufung der Elemente fallen.

Jede Wicca, jede Hexe und jede heidnisch lebende Person hat ihre eigene Praxis. Viele führen ein Buch der Schatten, auf Englisch Book of Shadows. Darin sammeln sie ihre Rituale, Sprüche, ihr Kräuterwissen und ihre Erfahrungen. Und was darin steht, unterscheidet sich von Person zu Person, manchmal ziemlich deutlich.

Leonie ist dafür ein gutes Beispiel. In vielen Wicca-Traditionen beginnt das Jahr mit Samhain. Bei ihr beginnt es mit Imbolc, weil sie den Januar als Neujahr gewohnt ist. Und während in vielen Traditionen die dreifache Mondgöttin und der Gehörnte Gott verehrt werden, betet Leonie keine Götter „in dem Sinne“ an. Mit einem Standardablauf aus dem Internet hätte ich bei ihr an mehreren Stellen danebengelegen.

So arbeite ich mit euch

Deshalb bin ich bei heidnischen Parts grundsätzlich offen und arbeite immer sehr nah an der Person, die sie mitbringt. Ich frage viel nach und passe die Zeremonie an eure Praxis an. Ihr seid die Expert:innen für euren Glauben. Ich sorge dafür, dass daraus eine Zeremonie wird, bei der auch eure Gäste gut mitkommen.

Diese Fragen solltet ihr vorher klären

  • Wer zieht den Kreis und spricht die Anrufungen: ihr selbst, eure Traurednerin oder jemand aus eurem Coven?
  • In welcher Himmelsrichtung beginnt ihr, und in welche Richtung geht ihr?
  • Welche Symbole sollen an den Stationen der Elemente stehen?
  • Sollen Gottheiten angerufen werden, und wenn ja, welche?
  • Welche Kräuter, Steine oder Farben haben für euch eine Bedeutung?
  • Gibt es etwas, das für euch tabu ist?
  • Wie viel sollen eure Gäste mitmachen, und wie viel erkläre ich ihnen?

Bei Leonie und Mirco haben die beiden den Kreis selbst gezogen und sind im Uhrzeigersinn von Osten aus die Stationen abgegangen. Bei einem anderen Paar kann das schon ganz anders aussehen.

Freie Trauung auf der Burg Grimburg im Hunsrück: Brautpaar auf einem Orientteppich, Traurednerin mit Buch.

Die beliebtesten heidnischen Rituale für eure freie Trauung

Schutzkreis und Anrufung der Elemente

Der Kreis grenzt einen geschützten, sakralen Raum vom Alltag ab. Am Rand stehen oft vier Stationen für die Himmelsrichtungen und ihre Elemente. Bei Leonie und Mirco hat das so ausgesehen:

  • Osten, Luft: ein Räucherstäbchen
  • Süden, Feuer: eine Kerze
  • Westen, Wasser: ein Kelch mit Wasser
  • Norden, Erde: eine Schale mit Salz

An jeder Station werden die Wächter des Elements angerufen. Am Ende der Zeremonie wird der Kreis wieder geöffnet, häufig in umgekehrter Richtung, und die Elemente werden verabschiedet. Genau hier unterscheiden sich Traditionen oft: Richtung, Reihenfolge und Wortlaut sind von Person zu Person verschieden.

Räuchern gibt es in sehr vielen spirituellen Traditionen. Bei einer heidnischen Trauung markiert es den Übergang vom Alltag ins Ritual und reinigt den Raum. Bei Leonie und Mirco ist eine Mischung aus Lavendel, Beifuß und Eukalyptus auf die Kohle gekommen.

Praxistipp: Ihr braucht eine feuerfeste Schale, Sand, Shishakohle (die wird schnell heiß), eure getrockneten Kräuter in einem verschließbaren Glas und einen kleinen Löffel, um sie auf die Kohle zu geben.

Beim Handfasting werden die Hände des Paares mit einem Band oder einer Kordel zusammengebunden. Der Brauch wird oft mit keltischer Tradition verbunden und ist das wohl bekannteste Ritual heidnischer Hochzeiten. Er funktioniert auch wunderbar bei Paaren, die sonst mit Spiritualität wenig anfangen können. Farbe der Bänder, wer bindet und was dabei gesagt wird, könnt ihr frei gestalten.

Ein Spell Jar ist ein kleines Glas, das mit Kräutern, Gewürzen und Steinen für eine bestimmte Absicht gefüllt und dann versiegelt wird. Bei Leonie und Mirco haben zuerst die Eheringe darin gelegen, und das Glas ist durch die Reihen der Gäste gewandert. Danach haben die beiden es Schicht für Schicht gefüllt, unter anderem mit Himalayasalz für Stabilität, Rosenblättern für Liebe und Rosenquarz für emotionale Verbindung. Zum Schluss haben sie es mit rotem Wachs versiegelt. Welche Zutaten ihr nehmt und was sie bedeuten, hängt stark von eurer eigenen Praxis ab.

Der Sprung über den Besen steht für eine Schwelle: Ihr tretet bewusst in einen neuen Lebensabschnitt. Ein schöner Abschluss, bei dem ihr auch eure Gäste mitnehmen könnt. Leonie und Mirco haben den Besen nach der Zeremonie für alle freigegeben, denn ein neuer Lebensabschnitt kann für jeden etwas anderes bedeuten.

Wie das alles zusammen in einer Zeremonie aussieht, lest ihr in meinem Bericht über die Wicca-Hochzeit von Leonie und Mirco.

Traurednerin Bella bindet beim Handfasting auf der Burg Grimburg die Hände des Brautpaars mit einer geflochtenen Kordel.

Heidnisch und nerdy: Geht das zusammen?

Und wie. Leonie und Mirco lieben neben dem Jahreskreis auch Harry Potter, Skyrim und Stranger Things. Also habe ich für die Zutaten ihres Spell Jars einen Rätselschrank gebaut: Jede Zutat hat in einem Fläschchen gesteckt, das zu einem ihrer Fandoms gehört hat. Und beim Schließen des Kreises hat „Ancient Stones“ aus dem Skyrim-Soundtrack gespielt.

Fantasy und Heidentum liegen oft näher beieinander, als man denkt. Wer schon mal durch Himmelsrand gezogen ist oder Mittelerde liebt, fühlt sich bei Kräutern, Kerzen und alten Worten schnell zu Hause. Wie eine komplett von Fantasy geprägte Trauung aussehen kann, zeigt übrigens meine Herr-der-Ringe-Hochzeit in der Pfalz.

Ist eine heidnische Trauung zu esoterisch für die Gäste?

Diese Frage kommt bei heidnischen Trauungen schnell auf. Bei Leonie und Mirco hat sich gezeigt, woran es liegt, ob die Gäste mitgehen.

Erstens am Wechsel. Nach dem Schutzkreis kommt die Geschichte vom ersten Date mit Machete und Obst, nach dem Spell Jar eine Anekdote vom Segelboot. So muss niemand eine halbe Stunde Ritual am Stück aushalten, der mit Wicca sonst nichts am Hut hat.

Zweitens am Mitmachen. Die Gäste haben die Ringe durch ihre Hände wandern lassen, Wünsche in Fläschchen gesteckt und sind über den Besen gesprungen. Wer mitmacht, schaut nicht mehr skeptisch von außen zu.

Dazu kommt ein kurzer Satz zur Erklärung, bevor ein Ritual beginnt. Wenn die Gäste wissen, was ein Schutzkreis ist, fühlt sich niemand ausgeschlossen.

Ihr plant eine heidnische Hochzeit?

Ich begleite heidnische und Wicca-inspirierte freie Trauungen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und überall dort, wo Menschen keine Lust auf Hochzeiten von der Stange haben. Ihr bringt euren Glauben, eure Rituale und vielleicht sogar euer Buch der Schatten mit. Ich höre genau hin und baue daraus mit euch eine Zeremonie, die sich nach euch anfühlt und bei der eure Gäste gern dabei sind.

Bilder von Moritz Muyzers.

Häufige Fragen zu heidnischen Trauungen.

Was ist eine heidnische Hochzeit?

Eine heidnische Hochzeit ist eine Trauzeremonie mit Ritualen aus vorchristlichen oder neuheidnischen Traditionen. Typisch sind ein Schutzkreis, die Anrufung der vier Elemente, Räucherungen, Handfasting oder ein Spell Jar. In Deutschland findet sie meist als freie Trauung statt.

Nein. In Deutschland ist nur die standesamtliche Trauung rechtlich bindend. Die heidnische Zeremonie feiert ihr als freie Trauung, zum Beispiel direkt nach dem Standesamt oder Jahre später als Erneuerung des Eheversprechens.

„Heidnisch“ oder „pagan“ ist der Oberbegriff für viele naturverbundene Glaubensrichtungen. Wicca ist eine davon: eine moderne neopagane Religion, die mit den Elementen, den Himmelsrichtungen und dem Jahreskreis arbeitet. Jede Wicca-Hochzeit ist also eine heidnische Hochzeit, aber nicht jede heidnische Hochzeit ist Wicca.

Nein. Anders als beim Standesamt gibt es keine verbindliche Form. Jede Wicca oder heidnisch lebende Person hat ihre eigene Praxis, oft festgehalten im persönlichen Buch der Schatten. Deshalb wird jede heidnische Zeremonie individuell mit der Person entwickelt, die die Rituale mitbringt.

Das Buch der Schatten (Book of Shadows) ist das Ritualbuch einer Hexe, einer Wicca oder eines Coven. Darin stehen Rituale, Sprüche, Kräuterwissen und persönliche Erfahrungen. Es unterscheidet sich von Person zu Person und ist eine gute Grundlage für die Planung einer heidnischen Trauung.

Nein. Oft bringt eine Person den spirituellen Hintergrund mit, und die Zeremonie verbindet ihn mit dem Rest des gemeinsamen Lebens. Bei Leonie und Mirco haben sich Wicca-Rituale mit Werkstatt, Segelboot und Fandoms abgewechselt.

Das hängt von eurer Praxis ab. Den Kreis könnt ihr als Paar selbst ziehen, eure Traurednerin kann es übernehmen oder jemand aus eurem Coven. Bei Leonie und Mirco haben die beiden die Kohle entzündet & ich bin den Kreis entlanggegangen und habe die Elemente angerufen.

Ein Spell Jar ist ein kleines Glas, das mit Kräutern, Gewürzen und Steinen für eine bestimmte Absicht gefüllt und versiegelt wird. Bei einer Hochzeit steht es für das, worauf die Ehe aufbauen soll, zum Beispiel Salz für Stabilität, Rosenblätter für Liebe und Rosenquarz für emotionale Verbindung.

Viele Paare orientieren sich am Jahreskreis. Beltane rund um den 1. Mai gilt als Fest der Liebe und Fruchtbarkeit und ist deshalb für Hochzeiten beliebt. Litha zur Sommersonnenwende passt ebenfalls gut.

Beliebt sind Schutzkreis und Anrufung der Elemente, Räucherung, Handfasting, Spell Jar und Jumping the Broom. Alle lassen sich mit nerdigen oder persönlichen Elementen kombinieren und so gestalten, dass auch Gäste ohne spirituellen Hintergrund gut mitkommen.

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