Wicca-Hochzeit auf Burg Grimburg: Leonie & Mircos nerdige freie Trauung mit Schutzkreis und Spell Jar

Lesestoff

Wie fängt eine heidnische Hochzeit an? Mit Räucherwerk, klar. Mit einem Schutzkreis, auch klar. Die freie Trauung von Leonie und Mirco hat allerdings mit einer Kreissäge angefangen.

Genauer gesagt mit einem kleinen Blick in die Zukunft: Die beiden sind fünfzig Jahre älter, Mirco sitzt auf der Terrasse und sägt an irgendetwas herum, dessen Sinn außer ihm noch niemand erkennt. Leonie kommt mit einem winzigen Glasfläschchen zu ihm, verschlossen mit einem Korken und versiegelt mit rotem Wachs. Und er nimmt es genauso vorsichtig in die Hand wie beim allerersten Mal.

Genau dieses Fläschchen haben die zwei am 5. September 2026 auf Burg Grimburg im Hunsrück gefüllt. Vorher ist allerdings noch einiges passiert: ein Schutzkreis mit den vier Elementen, ein Rätselschrank voller Fandoms, Umschläge, die man mit Sturmfeuerzeugen freilegen musste, ein Handfasting und ein Sprung über den Besen. Eine Zeremonie, die zu gleichen Teilen Wicca und Werkstatt gewesen ist. Ich erzähle euch, wie das zusammengepasst hat.

Hölzerne Hochzeit: fünf Jahre verheiratet, fünfzehn Jahre ein Paar

Kleiner Twist vorweg: Leonie und Mirco sind an diesem Tag schon verheiratet gewesen. Standesamtlich haben sie sich mitten in der Coronazeit das Jawort gegeben, mit genau fünf Personen im Raum. Fünf Jahre später haben sie ihre hölzerne Hochzeit gefeiert, und zwar so, wie es damals nicht gegangen ist: mit allen Liebsten, mit Livemusik und mit einer freien Trauung, in der sie sich ihr Eheversprechen noch einmal gegeben haben.

Holz hat als Motto auch sonst ziemlich gut gepasst. Mirco ist Zimmermeister, und wenn er gerade keine Baustelle hat, baut er sich eben eine. Leonie lebt seit einigen Jahren im Rhythmus der Natur, der Jahreszeiten und der alten Feste, die es schon lange vor jedem Standesamt gegeben hat. Und Holz wächst eben langsam, mit Jahresringen, die man von außen nicht sieht.

Übrigens: Eine freie Trauung muss nicht am Hochzeitstag stattfinden. Zum Jahrestag, zur hölzernen, silbernen oder goldenen Hochzeit könnt ihr euer Eheversprechen erneuern, mit allem, wofür im Standesamt kein Platz gewesen ist.

Was ist eine Wicca-Hochzeit? Leonie erklärt es selbst

Der heidnische Teil der Zeremonie ist Leonies Welt. Sie ist Wicca und hat mir nach der Hochzeit aufgeschrieben, was hinter den Ritualen steckt. Weil sie das besser erklären kann als ich, lasse ich sie hier selbst zu Wort kommen:

„Wicca ist eine moderne neopagane Religion (pagan = Heidentum), die sich stark an Natur, natürlichen Zyklen, den Jahreszeiten und verschiedenen Formen ritueller und magischer Praxis orientiert. Einen zentralen Bestandteil bilden dabei die Elemente, die Himmelsrichtungen, Rituale und die bewusste Arbeit mit einer persönlichen Intention.“

Zum Wicca-Jahr gehören acht Jahreskreisfeste, das sogenannte Wheel of the Year: Samhain, Yule, Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lughnasadh und Mabon. In vielen Wicca-Traditionen werden dabei Gottheiten wie die dreifache Mondgöttin und der Gehörnte Gott verehrt. Leonie handhabt das für sich anders: Sie betet keine Götter „in dem Sinne“ an, und ihr Jahr beginnt mit Imbolc, weil sie den Januar als Neujahr gewohnt ist.

Das zeigt ziemlich gut, wie unterschiedlich Wicca gelebt wird. Bei Leonie und Mirco ist die Zeremonie deshalb ständig hin und her gewechselt, mal ganz nah an Leonies Naturverbundenheit, mal mitten in ihrem wunderbar unspießigen Alltag mit Kreissäge, Segelboot und Harry Potter. Wie ich heidnische Rituale grundsätzlich mit Paaren entwickle und warum es dabei keine festen Regeln gibt, lest ihr in meinem Ratgeber zur heidnischen Hochzeit.

Der Schutzkreis: So beginnt eine heidnische Trauung

Nach dem Einzug haben wir als Erstes den Kreis geschlossen. Im Wicca-Ritual grenzt der Kreis einen geschützten, sakralen Raum vom Alltag ab. Alles, was im Ritual passiert, passiert darin. Dafür haben wir am Rand vier Stationen aufgebaut, eine für jede Himmelsrichtung und ihr Element:

  • Osten, Luft: ein Räucherstäbchen
  • Süden, Feuer: eine Kerze
  • Westen, Wasser: ein Kelch mit Wasser
  • Norden, Erde: eine Schale mit Salz

Leonie und Mirco haben im Osten angefangen und sind im Uhrzeigersinn von Station zu Station gegangen. An jeder haben sie die Wächter des Elements angerufen, zum Beispiel so:

„Wächter des Ostens, Geist der Luft, die mir den Atem schenkt, ich bitte dich: Schütze diesen Kreis. So sei es, so sei es, so sei es.“

Warum dreimal „So sei es“?

Dahinter steckt die Idee der Dreifachen Rückkehr: Was ein Mensch in die Welt gibt, kann verstärkt zu ihm zurückkommen. Das dreifache Aussprechen bekräftigt also die Absicht, die man gerade gesetzt hat.

Dazu Leonie:

„Die Drei besitzt in Wicca eine besondere symbolische Bedeutung. Sie steht unter anderem für Vollständigkeit und Verstärkung.“

Die Räucherung

Dazu ist die Räucherschale zum Einsatz gekommen: glühende Kohle mit einer Mischung aus Lavendel, Beifuß und Eukalyptus. Räuchern gibt es in sehr vielen spirituellen Traditionen. Hier hat es den Übergang vom Alltag ins Ritual markiert und den Raum gereinigt.

Und ich muss gestehen: Da ich diese Handlung vorher noch nie gemacht hatte, war ich gespannt, wie es werden würde. Mit der ausgewählten Hintergrundmusik und den bedachten Worten war es für mich ein absolut magischer und ehrfürchtiger Moment, den ich sehr genossen habe!

Der Rätselschrank: Hier wurde es richtig nerdy!

Bei Leonie und Mirco gibt es neben der Natur mindestens genauso viel Fandom. Leonie ist Potterhead, seit sie denken kann, und zockt Skyrim, Zelda und Hogwarts Legacy. Mirco schaut am liebsten alles mit Mads Mikkelsen, und gemeinsam verkriechen sich die beiden bei Horrorfilmen unter der Decke.

Also habe ich ein Rätsel gebaut: ein kleines Schränkchen voller Fläschchen, von denen nur acht zum späteren Spell Jar gehört haben. Auf jedem Fläschchen hat ein Sticker mit einem Stichwort geklebt. Ich habe den beiden einen Begriff genannt, und sie mussten das passende Fläschchen finden.

In jedem richtigen Fläschchen hat eine Zutat für den Spell Jar gesteckt. Mit Münzen haben die zwei danach kleine Rubbelfelder freigerubbelt, und die Zahl darunter hat verraten, in welcher Reihenfolge die Zutaten ins Glas kommen. Den Soundtrack dazu haben „Fawkes the Phoenix“ und „Kakariko Village“ geliefert.

Warum so ein Aufwand? Weil ein Spell Jar sonst schnell zur Bastelstunde am Traualtar wird. Durch das Rätsel hängt jede Zutat jetzt an etwas, das die beiden lieben. Und nebenbei hat es einfach riesigen Spaß gemacht. Wenn ihr noch mehr nerdige Trauungen sehen wollt: Bei Jacky & Paul ist aus dem Weg zu den Eheringen ein ganzes Labyrinth geworden.

Setzkasten mit Gläsern für Harry Potter, Herr der Ringe und Stranger Things als Ritual bei einer Nerd-Hochzeit.

Der Spell Jar: das Fundament der Ehe im Glas

Was ein Spell Jar ist, erklärt Leonie so:

„Spell Jars gehören zur modernen Witchcraft-Praxis und dienen dazu, eine bestimmte Intention symbolisch in einem Gefäß zu bündeln.“

Bevor die beiden ihr Glas gefüllt haben, ist es schon auf Reisen gewesen. Darin haben die Eheringe gelegen, und das Fläschchen ist durch alle Reihen gewandert. Jeder Gast hat seine guten Wünsche mitgegeben, während Miriam live gespielt hat.

Dann haben Leonie und Mirco das Glas Schicht für Schicht gefüllt, beispielsweise mit Himalayasalz (Schutz, Stabilität und ein festes Fundament) oder Lavendel (Ruhe und Harmonie).

Sonnenstein und Rosenquarz bilden oben den Abschluss, sozusagen den Deckel der Intention. Danach: Korken drauf, rotes Siegelwachs drüber. Das Glas bleibt für immer verschlossen und bekommt bei den beiden zu Hause einen besonderen Platz. Genau das Fläschchen, das Leonie in fünfzig Jahren zu Mirco auf die Terrasse bringt.

Eheversprechen mit FEUER

Auch ihre Eheversprechen mussten sich die beiden erst freilegen. Im Schränkchen habe ich vier Umschläge versteckt, nur zwei davon mit ihren Versprechen. Die Holzschilder der Fächer habe ich vorher präpariert. Leonie und Mirco haben sie mit Feuer schwarz geflammt, bis sichtbar geworden ist, welche Umschläge ihre Worte enthalten. 

Was in den Versprechen steht, bleibt bei den beiden. Nur so viel: Es ging um Schnapsideen, Sonnenuntergänge und Horrorfilmabende unter der Decke.

Handfasting, Jumping the Broom und ein Kreis, der sich wieder öffnet

Nach Jawort und Ringtausch ist noch das Handfasting gekommen. Dabei werden die Hände des Paares mit einem Band zusammengebunden, als sichtbares Zeichen, dass ihr ab jetzt gemeinsam durchs Leben geht. Der Brauch wird oft mit keltischer Tradition verbunden und gehört zu den bekanntesten Ritualen bei heidnischen Hochzeiten.

Zum Schluss durften auch die Gäste noch einmal ran. Die acht Fläschchen aus dem Rätselschrank, inzwischen leer, sind an den Geschenketisch gewandert. Dort hat jeder einen Gruß oder Wunsch für die beiden hineingesteckt, als kleines Archiv für später.

Dann haben wir den Kreis wieder geöffnet, diesmal gegen den Uhrzeigersinn. Leonie und Mirco haben den Wächtern der Elemente gedankt und sie verabschiedet. Oder, wie Leonie es beschreibt:

„Was zu Beginn in den Kreis eingeladen worden war, wurde damit wieder aus dem rituellen Raum entlassen.“

Traurednerin Bella bindet beim Handfasting auf der Burg Grimburg die Hände des Brautpaars mit einer geflochtenen Kordel.

Und ganz am Ende, hinter der letzten Stuhlreihe: Jumping the Broom, der Sprung über den Besen. Der Besen steht für eine Schwelle, und wer drüberspringt, tritt bewusst in einen neuen Lebensabschnitt. Leonie und Mirco wollten den Sprung ausdrücklich mit allen teilen. Jeder Gast durfte hinterher, denn ein neuer Lebensabschnitt kann für jeden Menschen etwas anderes bedeuten.

Ausgezogen sind die beiden übrigens zu „Hooked On A Feeling“. Ein perfekter nerdy Abschluss zu einer heidnisch-nerdigen freien Trauung.

Ihr plant eine heidnische oder nerdige freie Trauung?

Ich begleite freie Trauungen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und überall dort, wo Menschen keine Lust auf Hochzeiten von der Stange haben. Ob Wicca, keltisch inspiriert, voller Fandoms oder alles auf einmal: Gemeinsam entwickeln wir eine Zeremonie mit Ritualen, die wirklich zu euch gehören. Und falls ihr noch nicht wisst, wie abgefahren es werden darf, schaut mal auf meiner Abgefahrenheitsskala vorbei.

Ihr wollt erst mal wissen, welche heidnischen Rituale es gibt und wie individuell sie sein dürfen? Dann schaut in meinen Ratgeber zur heidnischen Hochzeit.

Die beteiligten Dienstleister:innen

Fotografie: Moritz Muyzers

Location: Burg Grimburg

Violine & Gesang: Miriam Cartarius

Floristik: Claudia Leinen

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